Wir sind dann mal weg.

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Sucre - oder Eine wirklich wertvolle Buchempfehlung

Holà aus Sucre heisst es diesmal – der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens!

Das eigentliche Leben spielt sich hier ja generell in La Paz ab, die 200.000 Einwohner zaehlende “Ciudad Blanca” (wegen der vielen weissen Haeuser) gefaellt uns jedoch viel besser! Und ausserdem hatten wir hier Gelegenheit endlich mal die zuvor schon erwaehnten Frostbeulen los zu werden. Angenehme 20-25 Grad verwoehnten uns tagsueber und auch Nachts konnte man endlich schlafen ohne sich staendig zu fragen, wie lange die Zaehne des Bettgenossen das Klappern wohl noch durchhalten werden…

Hier trafen wir auch auf unsere liebgewonnenen Weggefaehrten der Uyuni-Tour Beate und Christian aus Roettingen bei Wuerzburg, die sich nach 2,5 Jahren Um-die-Welt-tingeln nun langsam wieder auf die Heimat einstellen muessen.
Gemeinsam kamen wir zum Nationalfeiertag in den “Genuss” einen Blick auf den bolivischen Praesidenten Evo Morales werfen zu koennen, der zum Jahrestag in Sucre erwartet wurde.
Beim Warten zusammen mit vielen bolivianischen Schaulustigen auf dem Marktplatz kamen wir dann durch Zufall auch mit einem einheimischen Ehepaar ins Gespraech. Die Frau arbeitete wie sich herausstellte als Aerztin in einem Heim fuer behinderte Kinder und wir machten fuer den darauf folgenden Montag gleich mit ihr aus, dass wir dort mal vorbei schaun werden, da wir ja schon die ganze Zeit nach einer geeigneten Voluntaerstelle Ausschau hielten. Doch dazu dann spaeter mehr.
Zurueck zum Praesidenten… Als er dann endlich eintraf herrschte nahezu absolute Stille – sehr ueberraschend fuer uns, da wir bisher dachten, dass Evo sich ausgesprochener Beliebtheit erfreut und als erster Indigena-staemmiger Praesident der Liebling der Massen sei. Allerdings legte sich die anfaengliche Euphorie fuer den besten Freund des venezulanischen Praesidenten Hugo Chavez (welcher vergangenes Jahr am Rednerpult der UN sagte: “Ich rieche hier noch den Schwefelduft des Teufels” im Hinblick auf den Tags zuvor aufgetretenen George W. Bush) und auch Fidel Castros nach den ueblichen ersten nicht eingehaltenen Wahlversprechen. Somit erlebten wir eine Art stillen Protest.
Angesichts der natuerlich vorhandenen Sehnsucht nach den heimischen Gefilden und kulinarischen Hochgenuesse ging es am kommenden Tag auf ein “Worschtfest”.

Zwar muss man sich hinsichtlich des Aussehens des Fleischs im Duenndarm etwas umstellen, aber hat man erstmal die Augen zugemacht und die Gabel wieder aus dem Mund gezogen, so schmeckt es tatsaechlich lecker. Sehr aehnlich der elsaessischen Merquez...
Und zusammen mit einem kuehlen Bierchen mutiert das Ganze gar zu einem richtigen Leckerbissen!

 

Wie schon angedeutet hatten wir dann gleich zu Beginn der kommenden Woche einen Termin im Centro Psicopedagogico. Hier finden behinderte Kinder und auch junge Erwachsende ein neues Zuhause, nachdem sie oftmals direkt nach der Geburt von ihren Eltern mehr oder weniger abgestossen wurden.
Der Grad der Behinderung reicht vom Down-Syndrom ueber Autismus bis hin zu schwerer Klebstoffabhaengigkeit.
Britta vereinbarte dann fuer den kommenden Tag gleich ein Probearbeiten in der Einrichtung fuer die Juengsten zwischen 0 und 8 Jahren, waehrend Steffen sich in der Zeit auf das Organisieren von Spenden aus der Heimat sowie alles Haeusliche verlagerte.

Nach dem ersten Tag sehr geschlaucht entschloss sich Britta dann hier 14 Tage mit anzufassen und in einer Gruppe von 10 Kindern deren Pflegerin Selia unter die Arme zu greifen.

Wie man sich vorstellen kann sind die Mittel und Verhaeltnisse vollkommen andere, wie man diese in aehnlichen Einrichtungen in Deutschland finden wuerde. Aber durch einen schliesslich auch fuer Britta organisierten Kittels waren die Spuren der Arbeit dann zumindest teilweise eingedaemmt.
Schnell schloss sie die Kinder und die Kinder sie ins Herz. Dann klappt es auch gleich beim Essen besser…

Doch auch mit zunehmender Dauer kann man sich nur sehr schwer an den Anblick gewoehnen, dass die Kinder auf Grund fehlenden Personals zum schlafen mit Hilfe diverser Baender in ein Laken geschnuert “stillgestellt” werden oder aus selbigem Grund stundenlang in ihrem Rollstuhl abgestellt werden.

 
José Mittagsschlaf-fertig               Adelayda

Somit halten sich die Fortschritte der Kinder zwecks mangelnder Zuwendung leider sehr in Grenzen, aber es ist erstaunlich wieviel man schon durch selbst geringst erscheinende Mittel erreichen kann.

Zum Beispiel war das Fehlen eines CD-Spielers fuer entsprechende musikalische Beitraege eines der offensichtlichsten Uebel. Und nicht zuletzt weil Steffen`s Nichte Katharina zusammen mit ihrer Oma das Sparschwein geschlachtet hat, konnten wir zumindest hier ein wenig unterstuetzen.

Und da anschliessend noch ein wenig Geld uebrig war, gab es noch einen Satz neue Zahnbuersten, Musikinstrumente sowie unbedingt benoetige Latzhosen.


Pablo in neuer Latzhose

Britta`s Liebling Yomar und alle anderen Kinder sagen: DANKE KATHARINA!!!

Natuerlich gab es neben dem Heim aber noch einige andere Eindruecke… Einer war das jaehrlich stattfindende Rennwochenende von Sucre. Zumindest die Einheimischen sind der festen Ueberzeugung, dass diese 2 Tage denen in Monaco in nichts nachstehen.
Von der Geraeuschkulisse her gesehen mag das vielleicht sogar so sein, ansonsten sind die Renner optisch einem DTM-Tourenwagen aehnlich.
Als Rennstrecke dienen, und daher ruehrt dann wohl auch der Vergleich mit Monaco, die Strassen von Sucre und Umgebung. Diese werden allerdings nur sehr minimal veraendert und es verwundert, dass wir nichts von einem Unfall mit Zuschauerbeteiligung mitbekommen haben.

Auch die Kommentatoren-“Loge” war eher amateurhaft und einfach ausgestattet.
Das was von den Moderatoren in die Handies und Mikrofone geschrien wurde erinnerte dann sehr an eine temperamentvolle suedamerikanische Fussballuebertragung. Fehlte nur das “Goooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool”

Schliessen wir wie wir begonnen haben – mit einem kulinarischen Hochgenuss. Klar, speziell Britta musste auf Grund der anstrengenden Tage mit den Kindern bei Kraeften bleiben!
Und dafuer eignen sich natuerlich hervorragend Vitamine!!!!

Die gibt es zu genuege an den Fruchtstaenden des Obst- und Gemuese-Marktes, an welchem man ganz frisch vor seinen Augen zubereitet die leckersten Fruchtshakes und Obstsalate gereicht bekommt! Oder in etwas anderer Form ueber einen Pie de Limon in unserem Stamm-Cafè…

Und da wir zwischendurch ja auch immer ein wenig Zeit zum schmoeckern finden, hier noch eine kleine Buchempfehlung von Steffen - vielleicht auch nur, weil der Start der WM in Deutschland jetzt ziemlich genau ein Jahr her ist

"Ich mach das Ding rein und fertig! Warum der deutsche Fußball Lukas Podolski braucht"

!!!! Britta nimmt sich von dieser Empfehlung ausdruecklichst aus!!!!

4.6.07 16:47
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anika Jesensky-de Oliveira (18.6.07 23:02)
Jetzt kann ich mir vorstellen wie hart die Arbeit mit den Kindern war. Toll dass du das gemacht hast! Der Abschied fiel dir sicher auch schwer...die sind ja so süß....

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